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Dieser Artikel entstand für eine Zeitung, die das Ergebnis einer Exkursion nach Tanzania war. Die Exkursion, die 1999 stattfand, wurde von Dozenten der Humboldt-Universität und der Universität von Hannover mit finanzieller Unterstützung des DAAD durchgeführt. TeilnehmerInnen waren Studenten der Afrikawissenschaften, der Geschichte und der Ethnologie.

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Zur Problematik der Wissenschaftlichkeit einer Exkursion - ein Fazit

Vorgedanken

27 Leute würden wir also sein, die viereinhalb Wochen lang durch ganz Tanzania reisen und sozusagen "am Objekt" forschen sollten. Forschen - was das heissen sollte, wurde auf einem Vorbereitungswochenende in Hannover besprochen, allerdings relativ unkonkret.
Dem Vorschlag, tagsüber durch die Gegend zu laufen und Leute für ein abendliches Interview zum Essen einzuladen, stand ich ziemlich skeptisch gegenüber. Wie sollte das denn gehen? So nach dem Motto: "Hi, ein paar Wazungus würden sich gerne mal einen Afrikaner aus der Nähe anschauen, hast Du Lust?"
Weitaus realistischer sah ich die Möglichkeit, durch Beziehungen, insbesondere von Helmut Bley und Georg Deutsch sowie einigen anderen, Kontakte mit Tanzanianern aufzubauen. Und schließlich sollte jeder sehen, inwiefern zum eigenen Thema etwas zu erfahren war. Ich baute also auf die Besuche verschiedener Institutionen und den Austausch über Informationen innerhalb der Gruppe, schließlich hatte jeder ein spezielles Vorwissen.
Grundsätzlich hatte ich die Hoffnung, in dieser Zeit einfach zu lernen, mich in diesem Land zu bewegen, ohne die Leute ständig durch Unwissenheit über Kultur und Normen vor den Kopf zu stossen, eine grobe Vorstellung zu bekommen, was es heisst, ein Tanzanianer zu sein und in diesem Land zu leben, im optimalen Fall etwas mehr über bestimmte Themen zu erfahren und vor allem, heil und nur relativ genervt von totaler Erschöpfung und einer riesengroßen Gruppe mit unendlich viel Durchfall durchs Land zu kommen.

Die Reise

Dass es völlig unmöglich war, mit 27 Leuten durch die Gegend zu spazieren, stellten wir schon am ersten Tag fest. So war es unser Glück, dass noch einige andere aus der Gruppe Tanzania-Erfahrung hatten und wir uns problemlos in Kleingruppen aufteilen konnten, die uns halfen, die ersten Eindrücke vom Land zu bekommen. Im Laufe der Zeit brauchten wir unsere "Führer" nicht mehr und das Tagesprogramm variierte je nach Interesse, was vom Besuch einer Schule, eines Landwirtschaftsinstituts oder eines Museums bis zu einfach die Stadt oder den Markt anschauen reichte. Meist traf man sich dann abends mit der gesamten Gruppe.

Schon nach ein paar Tagen kam erste Unzufriedenheit auf, die den Informationsfluß betrafen. Anfangs ging es eher um Hintergrundinformationen über bestimmte Einrichtungen, die entsprechende Stadt oder auch das Gefühl, vom aktuellen politischen Geschehen in Tanzania nicht sonderlich viel Ahnung zu haben, ausgeschlossen natürlich die Leute, die in der Vorbereitungsphase dieses Thema behandelt hatten. Der Vorschlag, diese Dinge im Plenum zu behandeln wurde nie realisiert, was meiner Meinung nach verschiedene Gründe hatte:
Tagsüber waren wir damit beschäftigt, neue Eindrücke zu sammeln, die (im Schnitt jeden zweiten Tag neue) Stadt zu erkunden und Leute kennenzulernen, die dann wiederum Abends als Interviewpartner eingeladen wurden, was auch hervorragend funktionierte, aber wiederum bedeutete, daß meist nach dem Abendessen kaum Zeit blieb, bis die ersten Gäste kamen.
Hatten wir mal Zeit, war der Bedarf groß, sich über persönliche Eindrücke auszutauschen oder auch einfach mal abzuschalten. Die einzelnen Versuche, durch Vorträge den Wissensstand aufzubessern war eine gute Idee, aber die Anschlussdisskussion erübrigte sich meist aufgrund totaler Übermüdung bzw. dem Problem, daß für viele das Thema Neuland war und somit wenig Diskussionsfläche bot. Teilweise scheiterte ein Plenum auch einfach an Raummöglichkeiten. Im Zug oder auf dem Schiff war schlichtweg kein Platz vorhanden; im Bus oder im Hotel war es teilweise einfach zu laut. Die Moscheeschreier übertönten nicht nur einmal unsere Stimmen.

Nach einiger Zeit kamen Zweifel an der Wissenschaftlichkeit unserer Exkursion auf, oder besser gesagt, es gab zwei Positionen:
Die einen waren mit dem Verlauf der Exkursion im Hinblick auf das wissenschaftliche Arbeiten soweit zufrieden, von anderen wurde dem Unmut über zu wenig Interesse der Gruppe an Informationen und Forschung und passives Konsumieren der vorgekauten Informationen Luft gemacht. Urlaubstourismus sozusagen. Offensichtlich waren hiermit die formellen Gespräche gemeint, also die (wenigen) Vorträge der Gruppe, die Interviews ebenso wie die Unternehmungen am Tag.
Zu den Vorträgen habe ich schon einiges gesagt. Bei den Interviews gestaltete es sich ähnlich. Ich persönlich fand es schwierig, dem Menschen mir gegenüber, sei es ein Schüler, ein Taxifahrer oder ein Lehrer, bestimmte Fragen zu stellen. Es wäre vonnöten gewesen, sich vorher zu überlegen, worauf das Gespräch hinauslaufen sollte. Da aber viele Gäste überraschend kamen oder nicht die Zeit gewesen war, sich vorher Gedanken zu machen, lief es oft auf ein Palaver hinaus. Ebenso oft war es schwierig, handelte es sich z.B. um einen Wissenschaftler oder einen Menschen, der mit einer bestimmten Thematik vertraut war, sich in ein Gespräch einzuklinken, das von Leuten mit entsprechendem Vorwissen geführt wurde. Ein wissenschaftlicher Diskurs erfordert eben Vorkenntnisse und Übung, und das Englische war da für viele eine weitere Hürde. Und nicht zuletzt war die Reise eben auch anstrengend. Nicht nur einmal war ich nicht mehr in der Lage, ein niveauvolles Gespräch zu führen sondern sass bei meinem Safari-Bier in der Ecke und diskutierte lieber die Schönheit eines Elephantenhinterns aus.

Wir haben diese Probleme untereinander mehrfach diskutiert und die Frage war: Wie hätte man es besser machen können?

Meine Antwort ist: Man hätte es nicht besser machen können! Wir hätten uns lediglich vorher über die Reise und mögliche Probleme unterhalten können, um zu dem Schluss zu kommen, dass mit einer Gruppe von 27 Leuten, in der die Erwartungshaltungen und das Vorwissen über das Land dermaßen unterschiedlich sind, wissenschaftliche Forschung eben nicht besser möglich sind. Auch im Hinblick darauf, daß für viele dies die erste Afrikaerfahrung war, hätte jedem klar sein sollen, daß solche Eindrücke erst einmal verarbeitet werden müssen, und das braucht auch mal Zeit. Am Abend z.B., bei einem Bier.
Seien wir doch mal ehrlich: Hat etwa einer von uns geglaubt, viereinhalb Wochen lang von morgens bis Abends für neue Informationen aufnahmebereit zu sein? Mein einziger Verbesserungsvorschlag besteht darin, bei der nächsten Exkursion die Strecke vorher so durchzukauen, dass alle paar Tage ein regelmäßiges Plenum von vorneherein angestrebt wird. Dafür kann man sich auch Vormittags auf einem Feld treffen. Der Informationsfluß, der ja auch für die weitere Organisation wichtig ist, wäre dann vielleicht etwas besser gewesen. Auch hätte man Entscheidungen dann gemeinsam fällen können. Zu Beginn der Reise war die Frage der Entscheidungsfindung einfach nicht klar. Und vermutlich wäre die Unzufriedenheit nicht so groß gewesen, hätten wir mehr Freiraum für eigene Aktionen gehabt. Ja, vielleicht hätte man das Programm etwas kürzer halten können, aber im Prinzip sind wir daran auch selber schuld. Haben denn nicht wir die meisten Informanten selber eingeladen? Und waren denn nicht wir selber daran interessiert, den ganzen Tag herumzurennen um uns umzuschauen? Wir haben unseren Freiraum so gut genutzt, wie es möglich war, allerdings darf man eben nicht erwarten, dass dann noch so nebenher wissenschaftliche Vorträge organisiert werden können.

Natürlich kann man auch sagen, eine so große Gruppe und eine so weite Strecke verträgt sich nicht mit der Idee einer Exkursion. Das kommt dann lediglich auf die Erwartungshaltung an. Natürlich, mit nur 12 Leuten die halbe Route in der gleichen Zeit wäre es eher eine gemeinsame Erfahrung gewesen, so hat jeder vermutlich seine eigene Exkursion mit eigenen Erfahrungen gehabt. Ich sehe die Exkursion so, wie sie war, aber als sehr positiv, denn es wären sonst nie so viele Erfahrungen und Informationen gesammelt worden. Ausserdem haben meiner Meinung nach nicht nur die Interviews eine Menge gebracht, sondern auch die vielen informellen Gespräche untereinander. Tagsüber in Kleingruppen oder auch Abends war dann doch oft Zeit, sich über das Land und die verschiedenen Unternehmungen auszutauschen. Ich spreche nicht nur für mich persönlich, wenn ich sage, daß ich unheimlich begeistert davon bin, wieviel in der Gruppe produktiv diskutiert worden ist, und wir können auch weiterhin davon profitieren. Ein Ergebnis werden sicherlich die Seminararbeiten sein, aber vor allem baue ich auf die weiteren Kontakte zwischen der Gruppe.

Was bleibt noch?

Ich habe das Gefühl, über Tanzania eine ganze Menge erfahren zu haben und unter dem Begriff "Land und Leute" tatsächlich eine Vorstellung zu haben, was vor allem den erstaunlich vielen und guten Kontakten zu Tanzanianern zu verdanken ist. Und dabei denke ich vor allem auch an die vielen kleinen Begegnungen und Gespräche auf dem Markt, im Restaurant oder in der Disco, die mir eher einen Einblick in das ganz private Leben gaben.
Die Interviews wiederum waren nicht nur eine Möglichkeit, Informationen über das Land zu sammeln, sondern auch zu lernen, konkrete Fragen über das Land zu stellen und diese Sichtweisen auch zu Hinterfragen. Letztlich sind auch viele persönliche Kontakte entstanden. Jeder von uns hat wohl mehrere Adressen mit nach Hause gebracht mit dem Versprechen, mal zu schreiben. Ich persönlich wurde um eine Brieffreundschaft als Englischhilfe gebeten, habe Kontakt zu einem Zanzibari, der nächstes Jahr wohl Deutschland besuchen wird und bemühe mich momentan um eine deutsche Partnerschule für die Tabora Secondary Scool, die dringend Hilfe benötigt. Und so hat wohl jeder von uns seine eigenen Geschichten zu erzählen.

Ich denke, insgesamt hätte die Exkursion kaum besser laufen können. Die Vorplanung war optimal, nicht zuletzt deswegen haben Reise und Unterkünfte so gut geklappt, und an Wissenschaftlichkeit liess nichts zu Wünschen übrig, was am persönlichen Engagement jedes Einzelnen lag. Wieviel davon übrig geblieben ist, davon mag sich jeder selber überzeugen und uns persönlich befragen.

Kwa heri, Leute, ich bin gern mit Euch gefahren!